Seit längerem wusste man bereits, dass der frühere Trainer Heinz Jentzsch schwere gesundheitliche Probleme mit dem Herzen hatte. Nun hat sein Herz endgültig aufgehört zu schlagen, im Alter von 92 Jahren starb Heinz Jentzsch am 21. April in der Stadtklinik in Baden-Baden. Der deutsche Galopprennsport und insbesondere auch die Kölner Turfgemeinde trauern um eine ihrer größten Persönlichkeiten.
Obwohl Heinz Jentzsch in Berlin geboren worden war und es zudem berufliche Stationen in Dresden, München-Riem und ganz zuletzt noch in Mülheim-Ruhr gegeben hatte, so war doch die Domstadt, die Rennbahn im Weidenpescher Park und der Stall Asterblüte jahrzehntelang der eigentliche Dreh- und Angelpunkt im Leben des Verstorben.
Nach dem Abschied vom Trainerdasein verbrachten seine Frau Margot und er den Ruhestand jedoch im badischen Iffezheim, wo beide sehr zurückgezogen in ihrem Haus in direkter Nähe der Rennbahn vor den Toren von Baden-Baden lebten.
Das letzte Mal in Köln weilte das Ehepaar Jentzsch anlässlich des Gerling-Preises 2010, nachdem der Altmeister erst ein paar Wochen zuvor die Vollendung des 90. Lebensjahres gefeiert hatte. Das Publikum bereitete ihm damals einen sehr warmherzigen Empfang. Viele erinnerten sich dabei noch an einen ziemlich verregneten Samstag im Spätherbst 1997.
Es war der 15. November, der zunächst als offizieller Schlusspunkt für eine Trainerkarriere angekündigt worden war, die nicht nur hierzulande ihresgleichen sucht. Das Finale endete natürlich standesgemäß und mit dem Erfolg eines Hengstes namens Campo. Dieser Campo stand allerdings nicht allzu lange für den Ausklang der Trainerlaufbahn von Heinz Jentzsch.
Nach etwas mehr als einem Jahr folgte nämlich ein überraschender Rücktritt vom Rücktritt. Infolgedessen wurde erst der Sieg des Hengstes Kalatos in der Excelsior Hotel Ernst Meile in der Saison 1999 der wirklich letzte Jentzsch-Erfolg im Weidenpescher Park.
Als Kalatos und sein Betreuer vom Geläuf zur Waage zurückkehrten, brandete noch einmal ein nicht enden wollender Beifall für den Mann auf, der in sechs Jahrzehnten auf sage und schreibe 4029 Siege kam und der hierzulande nicht weniger als 31 Trainerchampionate schaffte.
Diese unglaublichen Zahlen stehen wie eine Chiffre für kleine, große und größte Triumphe. Dem Perfektionisten Jentzsch war jedoch jeder Sieg gleichermaßen wichtig und wertvoll. Mit der Stute Osterglocke hatte diese einzigartige Erfolgswelle im Jahr 1942 auf der Rennbahn in Dresden Sydnitz mitten im Krieg ihren Anfang genommen.
Ein Dreijähriger namens Nickelson beendete sie 1999 dann endgültig. Fast sinnbildhaft am 3. Oktober, am Tag der Einheit auf der Rennbahn in Hoppegarten bei Berlin. Genau dort, wo ganz in der Nähe im März des Jahres 1920 die Wiege von Heinz Jentzschs gestanden hatte und wo bereits sein Vater als Trainer tätig gewesen war.
Der Name Heinz Jentzsch steht vor allem und insbesondere auch für acht Derby-Siege. Don Giovanni hatte 1969 den Anfang in dieser grandiosen Serie markiert. In den Siebzigern folgten Alpenkönig (1970), Stuyvesant (1976) und Zauberer (1978). Danach waren es Lagunas (1984) und Acatenango (1985), die in den achtziger Jahren in Hamburg-Horn das Blaue Band holten, ehe es in den Neunzigern die Halbbrüder Lando (1993) und Laroche (1994) ihnen gleichtaten.
Bahnbrechende Erfolge in Frankreich und in einer Zeit, als deutsche Vollblüter noch nicht tagtäglich auf den Pariser Großbahnen starteten, sind ein weiteres ganz spezielles Kapitel in der sportlichen Vita des Verstorbenen – als beispielsweise Hitchcock im Prix Eugene Adam siegte, sich Priamos in Hochkarätern wie dem Prix Jacques le Marois und dem Prix Dollar behauptete. Und als später noch Acatenango mit seiner Gala im Grand Prix de Saint-Cloud ebenso für internationales Aufsehen sorgte wie Lirung mit einem Erfolg wiederum im Prix Jacques le Marois.
Als das Meisterstück des Meisters gilt allgemein freilich Landos Sensationssieg im Japan Cup 1995. Heute noch steht dafür symbolisch der so genannte « Lando »-Baum auf der Kölner Rennbahn. Eine japanische Delegation hatte den kleinen Kirschbaumsetzling im Frühjahr 1996 als Erinnerung an dieses Ereignis gepflanzt, und zwar auf einem kleinem Rasenstück am Absattelring, direkt neben der Waage.
Seit dem 21. April 2012 besitzt dieser Baum jedoch noch eine viel tiefere Symbolkraft als je zuvor. Denn er ist jetzt auch ein Stück Erinnerung an Heinz Jentzsch, den großen Kölner Meistertrainer.
(Quelle: Kölner Rennverein, J.Kammerinke)
Peter Schiergen
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